Wie immer, wenn es gar nicht passt: Die Technik spinnt.

Die Computer-Maus hat das Zeitliche gesegnet. Google hilft. Und der Online-Shop lässt mich aufatmen: noch fünfzig Produkte an Lager. In zwei Tagen geliefert. «Glück gehabt!», denk ich noch – während schon die Meldung des Händlers bei mir eintrifft. «Aufgrund unerwarteter Lieferverzögerungen verschiebt sich Ihre Lieferung auf Anfang Juni.»

So geht es vielen. Die Hamsterkäufe aus dem ersten Lockdown gehören zwar der Vergangenheit an. Bei Produkten mit starker Nachfrage gibt es dennoch anhaltende
Lieferschwierigkeiten. Fehlende Zulieferprodukte, Schiffscontainer, die ihren Weg aus China noch nicht wiederfinden oder stecken bleiben, und weltweite Nachfrage-Peaks haben Herstellern vor allem eins gezeigt: Ihre Lieferketten waren schon vor der Pandemie fragil.

Der grosse Kuchen in der Supply Chain wird auf ein paar wenige Lieferanten verteilt. Ein Klumpenrisiko, welches die globale Pandemie in seiner ganzen Tragweite zutage bringt. Krisen überhöhen bestehende Probleme. So weit keine neue Erkenntnis.

Eine Erkenntnis hat sich bei Produzenten und Händlern jedoch bereits eingestellt: Es braucht diversere Lieferketten. Flugs werden ganze Produktionslinien in die
Schweiz geholt, alternative Lieferwege getestet und neue Hersteller gesucht.

Letzteres erweist sich allerdings häufig als schwierig. Die etablierten Lieferantenverbindungen fördern nichts Neues mehr zutage. So machen sich viele Firmen auf
die Suche nach noch nicht entdeckten Herstellern und Lieferanten im eigenen Land. Gibt es die überhaupt? Sicher nicht für jeden Spezialbereich – gerade die
wurden schliesslich in den letzten Jahren häufig erfolgreich «ge-offshored». Aber auch in der Schweiz fallen aktuell 99 Prozent des Supply-Chain-Volumens auf
männergeführte Unternehmen.

Um den Klumpen im Kuchen also nachhaltig aufzulösen und diversere Lieferketten für die Zukunft zu realisieren, empfiehlt es sich, die Suche auf die 30 Prozent der privat gehaltenen Unternehmen auszuweiten, die sich in Frauenhand befinden.

Der Aufbau diverser Lieferketten hat dabei nichts mit «Gut-Mensch-Sein» zu tun. Es ist schlicht ein sinnvoller, wirtschaftlicher Entscheid. Umso mehr in Zeiten gedämpfter Wirtschaftsaussichten – und grosser Lieferverzögerungen.

Und genau hier setzt die Arbeit von WEConnect International an: Frauengeführte Unternehmen werden zentral „assessed“ und zertifiziert, grosse Konzerne erhalten direkten Zugriff auf diese Datenbank, erhalten damit für ihre RFPs (Request for Proposals) Offerings neuer Lieferant:innen und bauen damit eine diverse Supply Chain auf. Kathrin Puhan und ich stehen als Assessor für die Schweiz gerne bei Fragen oder für weitere Informationen zur Verfügung.

 

Erschienen am 20. April 2021 in der Handelszeitung.